h. amador landauer - unvollendete landschaft
(die worte)
ich schließe dich zu: ich im du / doch
dich suche ich / ich suche dich: du im ich
am wasser roter monde dieses patios
benetzten lippen toter götter münder sich mit angst
durch verlass´ne mauern dringt das draußen
endlich wie ein atemzug / wie tropfen eines satzes
von drinnen
höhlt den raum ein einsames gebilde, das auf die türe starrt
und die absurden worte schreibt:
die ständige anwesenheit deiner abwesenheit
dunkle pflanzen sind im abendbranden nacht geworden
ein weißer morgensturm in grünem regenlicht: der tag
vernichtet mir den schlaf mit seinem falschen trost und
zeichnet die silhouette wieder dieser stadt / weiter suche ich in licht
wo gingst du hin mit meinen worten?
ein großes rätsel trieb mich an den fremdesten ort /
an dem ich dich nie mehr finden würde
ein dem schicksal entstiegener / ein flüchtling der vorsehung /
einer, der die verheißungen vergeudete und
abgetan als schlangenflüstern liebesgiftversuchung floh
nie war ich lebendiger in diesem tod eines sterbenden dichters
der hellsten sonnen / der schrieb:
bring sie mir her / himmel / auf der erde ist sie nicht mehr
ich bin meine eigenen worte / von dir gehörte / geliebte worte
nur die worte waren licht in diesem dunkel,
das verboten war zu leben
alles andere schwieg, wenn ich sie sagte
und als ich hinaustrat aus dem noch nassen schwarz
wusste ich, dass es nichts gibt ohne erinnerung
bis zum ende liebe ich dich / bis zum ende von allem, was ist
du bist abbild / wort meiner liebe / zukunft des gedankens
meine liebe ist ein heiliger ort, den ich mit niemandem teile
wahrheit ohne dunkle flecken / unversehrtes wesen
ich bin worte / von dir gehörte / geliebte worte
worte gibt es immer noch / nach jedem ende bleibt doch
noch ein wort
Barcelona, 26.11.2004
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